Aus der Remser Zeitung vom 16. Juni 2026
Über 40 Gäste aus Kommunen mit „Gmünd“ im Namen trafen sich in Schwäbisch Gmünd zum Städtetreffen. Alle teilnehmenden Orte verbindet ein Name, der auf eine Flussmündung verweist. Bei der Mitgliederversammlung wurde ein neuer Präsident gewählt.
Von Wolfgang Schlupp-Hauck
Schwäbisch Gmünd. Großer Bahnhof im Rokokoschlösschen: Mehr als 40 Gäste waren zum Städtetreffen der „Gmünder in Europa“ nach Schwäbisch Gmünd gekommen. Das Besondere an diesem Bund: Alle teilnehmenden Kommunen verbindet ein Name, der auf eine Flussmündung verweist. Die Delegationen reisten aus unterschiedlichen Regionen an – von Angermünde über Gemünden am Main, Salzmünde und Seßlach-Gemünda bis hin zu den österreichischen Gemeinden Gmünd in Kärnten, Gmünd in Niederösterreich und Gerlos-Gmünd.
Die Gäste erlebten ein Wochenende, das tief in die lokalen Traditionen eintauchte. Das von Vizepräsident und ehemaligem Redakteur der Rems-Zeitung Manfred Laduch präsentierte Programm bot mit dem Stadtfest, dem traditionellen 40er-Umzug, Workshops zum Schattentheater, Brezelbacken und dem Schmieden eines eigenen Rings ein dichtes Spektrum voller Handwerk, Geschichten und Begegnungen.
Neben dem geselligen Austausch standen zukunftsweisende Entscheidungen auf der Tagesordnung, denn im Verein beginnt eine neue Ära. Schon vor der Mitgliederversammlung hatte der langjährige Präsident Hendrik Dressel, der inzwischen im achten Lebensjahrzehnt steht, seinen Rückzug angekündigt und betont, dass ein Generationenwechsel notwendig sei.
Mit der Wahl von Georg Libowitzky beginnt nun das nächste Kapitel. Er ist eine Generation jünger, in den Vierzigern, und zudem der erste Österreicher an der Spitze des Vereins.
Libowitzky blickt bereits voraus: In zwei Jahren wird er das nächste Städtetreffen in seiner Heimatstadt Gmünd in Niederösterreich ausrichten. Wer nicht so lange warten möchte, kann sich auf das kommende Jahr freuen. Dann lädt Gmünd in Kärnten zum zweijährlichen Wandertreffen ein. Geplant sind eine Tour für „Flachlandtiroler“ sowie eine Route für Bergwanderer mit rund 1000 Höhenmetern. Beide Gruppen kommen am Ende auf derselben Hütte zusammen, um gemeinsam zu feiern.
Für ausgelassene Stimmung und Gelächter während des Treffens sorgte Oberbürgermeister Richard Arnold, der in launigem Ton an die Entstehung des Bud-Spencer-Bads und des Einhorn-Tunnels erinnerte. Eine Onlinekampagne für den Namen „Bud-Spencer-Tunnel“ hatte die Stadt einst zwischen Rom und Hollywood bekannt gemacht. Da Bud Spencer in jungen Jahren selbst im Schießtal geschwommen war, schaltete er sich damals persönlich in die online übertragene Gemeinderatssitzung ein und schlug den Namen für das Bad vor.
Doch Arnold schlug auch ernstere Töne an und lenkte den Blick auf das Thema Migration. Schwäbisch Gmünd habe in den vergangenen Jahren viele Geflüchtete aufgenommen, wodurch die Zahl der vertretenen Nationalitäten von 70 auf 140 gestiegen sei. „Wichtig ist, diesen Menschen Identität zu stiften“, betonte der Oberbürgermeister. Geschichten, Bräuche und Traditionen seien für die Integration unverzichtbar, auch um neue Werte wie die Gleichberechtigung zu vermitteln. Die Treffen der „Gmünder in Europa“ bezeichnete er in diesem Zusammenhang als Vorbild für gelebte Gemeinschaft.
Wie tief dieses Fundament der Gemeinschaft reicht, rief der scheidende Präsident Hendrik Dressel in Erinnerung. Er blickte zurück auf das Jahr 1992 in Seßlach-Gemünda. Das Treffen fand kurz nach dem Fall der Mauer statt, stand jedoch unter dem Eindruck des rechtsextremen Angriffs auf ein Flüchtlingsheim im sächsischen Hoyerswerda im Jahr 1991, bei dem Neonazis und Anwohner die Unterkunft tagelang mit Steinen und Brandsätzen attackiert hatten. Als unmissverständliche Reaktion verabschiedeten die „Gmünder in Europa“ damals eine Resolution gegen nationale Egoismen und Intoleranz.
Rund 2000 Menschen erhoben sich im Festzelt als Zeichen der Zustimmung, während die Schwäbisch Gmünder Stadtmusikkapelle spontan die Europahymne anstimmte. Für Dressel bleibt dies bis heute einer der bewegendsten Momente der Vereinsgeschichte.
Den farbenfrohen Schlusspunkt unter das aktuelle Festwochenende setzte schließlich die inklusive Guggenmusik-Formation „Los Krawallos“. Mit viel Herz, bunten Kostümen und lautem Brass-Sound brachten sie die Gäste vor dem Rokokoschlösschen zum Mitwippen und bewiesen eindrucksvoll, wie lebendig europäische Verbundenheit sein kann.
